Eine sichere Schulumgebung ist die Grundlage dafür, dass Kinder und Jugendliche ihren Schulweg aktiv und selbstständig zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller zurücklegen können. Schulstraßen und Schulzonen schaffen dafür verkehrsberuhigte Bereiche rund um die Schule.
Zu Schulbeginn und -ende – oder dauerhaft im Fall einer Schulzone – wird der motorisierte Verkehr eingeschränkt. Das erhöht die Sicherheit für Schülerinnen und Schüler und verbessert zugleich die Aufenthaltsqualität im Schulumfeld. Weniger Verkehr bedeutet weniger Lärm und Emissionen und kommt der gesamten Nachbarschaft zugute.
Schulstraßen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit, zur selbstständigen Mobilität von Kindern und zur Entwicklung kinderfreundlicher, lebenswerter Städte und Gemeinden.
Mehrwert von Schulstraßen und Schulzonen
Schulstraßen und Schulzonen haben viele Vorteile und wirken sich positiv auf die Verkehrssituation im Schulumfeld aus. Davon profitieren sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die gesamte Gemeinschaft.
Sichere und lebenswerte Räume: Weniger Verkehr und Lärm verbessern die Lebensqualität im Schulumfeld und schaffen einen sicheren, ruhigen Ort für Kinder, Eltern und Anwohnende.
Mehr Verkehrssicherheit: Durch die Reduzierung des Autoverkehrs sinkt das Unfallrisiko rund um die Schule.
Förderung selbstständiger Mobilität: Sichere Wege für Zufußgehende und Radfahrende stärken die Eigenständigkeit der Kinder und fördern ihre Verkehrskompetenz.
Beitrag zur Verkehrswende: Schulstraßen reduzieren den motorisierten Verkehr und unterstützen den Umstieg auf nachhaltige Mobilität.
Schulstraßen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur sicheren, eigenständigen und klimafreundlichen Mobilität von Schülerinnen und Schülern. Sie ermöglichen eine neue Nutzung des öffentlichen Raums und sind ein zentraler Baustein für kinderfreundliche und zukunftsfähige Städte und Gemeinden.
Schulstraßen einfach umsetzen
Der Erlass bietet eine praxisnahe Grundlage für die Planung und Umsetzung. Ergänzende Materialien wie Kommunikationsvorlagen, Checklisten Evaluationshilfen und weiteren nützlichen Tools stehen in Kürze im Downloadbereich zur Verfügung. Der Leitfaden „Schulstraßen und Schulzonen in Baden-Württemberg erfolgreich umsetzen“ (Download-Bereich) gibt einen Überblick zu Schulstraßen und Schulzonen, thematisiert die Einbindung von Eltern, Schulen und Anwohnerinnen und Anwohnern und stellt Kommunen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umsetzung zur Verfügung. Schulen und Kommunen können außerdem auf Basis aktueller Fotos Vorher-Nachher-Visualisierungen erstellen lassen und ihr Vorhaben anschaulich machen:
Schulstraßen oder Schulzonen sind Straßenabschnitte im unmittelbaren Bereich von Schulen, die zu bestimmten Zeiten oder dauerhaft nur für den Fuß- und oft auch den Radverkehr geöffnet sind. Damit Kinder sicher zur Schule kommen, dürfen Autos und andere Kraftfahrzeuge in dieser Zeit dort nicht fahren. Je nach Situation vor Ort gibt es verschiedene Lösungen:
Schulstraßen werden zeitweise zu Beginn und oft auch am Ende des Schultages für den Autoverkehr gesperrt. In dieser Zeit entsteht, beispielsweise für die Dauer einer halben bis Dreiviertelstunde eine autofreie Umgebung für die Schülerinnen und Schüler, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Roller unterwegs sind.
Schulzonen sind dauerhaft für den Kfz-Verkehr geschlossen und baulich so gestaltet, dass sie den Fuß- und Radverkehr langfristig fördern. Mit Schulzonen erhalten Schülerinnen und Schüler zusätzliche Flächen, die sie den ganzen Tag zum Spielen und Treffen nutzen können. Für die Menschen vor Ort schaffen die Zonen einen neuen Begegnungsort.
Schulstraßen und Schulzonen können dort eingerichtet
werden, wo die Straße dafür „geeignet“ ist – also wo eine zeitweise Einschränkung des Autoverkehrs möglich ist, ohne dass der Verkehr im Ort insgesamt stark beeinträchtigt wird. Nicht möglich ist dies auf klassifizierten Straßen, wie Kreis-, Landes- oder Bundesstraßen. Auch Hauptverkehrsstraßen oder wichtige Durchgangsrouten eignen sich nicht, wenn es keine Ausweichstrecken gibt. Die die Belange des ÖPNV sind zu berücksichtigen. Wenn die Einrichtung einer Schulstraße oder Schulzone nicht machbar ist, gibt es alternative Maßnahmen, mit denen sich Schulwege sicherer gestalten lassen:
Den formlosen Antrag zur Einrichtung einer Schulstraße oder Schulzone stellt die Kommune (Träger der Straßenbaulast) bei der Straßenverkehrsbehörde. Sie geben wichtige Impulse und bringen ihre Bedürfnisse in die Planung ein. So verbessern sie aktiv Schulwege und tragen zu einer kinderfreundlichen Stadtgestaltung bei.
Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie fungieren als Impulsgeber und bringen ihre Bedürfnisse in den Planungsprozess ein. So tragen sie aktiv zur Verbesserung der Schulwege und zur Förderung einer kinderfreundlichen Stadtgestaltung bei.
Häufig stoßen Eltern die Einrichtung von Schulstraßen oder Schulzonen an und begleiten den Prozess engagiert. Auch Kinder sollen als zukünftige Nutzerinnen und Nutzer mitreden: Was brauchen sie, damit sich die Straße sicher und angenehm anfühlt?
Anwohnerinnen und Anwohner sowie weitere Anrainer bringen wertvolle Perspektiven ein. Eine frühzeitige Einbindung hilft, Bedürfnisse zu berücksichtigen und Bedenken ernst zu nehmen. Vereine und Initiativen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Kinderschutz unterstützen das Vorhaben als wichtige Multiplikatoren.
Für die Beschilderung von Schulstraßen und Schulzonen können unterschiedliche Verkehrszeichen verwendet werden. Folgende Möglichkeiten sind im Erlass aufgeführt:
VZ 260 - Verbot für Kraftfahrzeuge
VZ 250 - Verbot für Fahrzeuge aller Art, für den Fall, dass weitere Verkehrsarten wie der Radverkehr ausgeschlossen werden sollen. Zur Freigabe des Radverkehrs ist das Zusatzschild VZ 1022-10 - Radverkehr frei notwendig
VZ 267 - Verbot der Einfahrt, für den Fall, dass die Ausfahrt auch während der Zeit der Sperrung erlaubt bleiben soll (z. B. für Anwohnerinnen und Anwohner auf dem Weg zur Arbeit)
Je nach örtlicher Gegebenheit lässt sich eine Schulstraße bzw. Schulzone auch anders kennzeichnen, etwa als Fußgängerzone oder Fahrradstraße. Zusatzzeichen geben an, zu welchen Zeiten die Straße für den motorisierten Verkehr gesperrt ist oder ob es Ausnahmen für z. B. den Lieferverkehr gibt.
Wird eine Straße als Schulstraße oder Schulzone ausgewiesen, reagieren Anwohnerinnen und Anwohner sowie weitere Anrainer zunächst oft zurückhaltend. Häufig stehen Sorgen um Einschränkungen der eigenen Mobilität im Vordergrund.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell der Mehrwert: Schulstraßen und Schulzonen entlasten vom morgendlichen Verkehrsaufkommen durch „Elterntaxis“, senken Lärm und verbessern die Luftqualität. Schulzonen steigern darüber hinaus die Aufenthaltsqualität – sie schaffen Raum zum Verweilen, fördern Begegnungen und stärken das nachbarschaftliche Miteinander.
Die Erreichbarkeit privater Grundstücke bleibt grundsätzlich gewährleistet, kann jedoch zeitweise eingeschränkt sein. Kommunen können zudem Sondergenehmigungen erteilen, die eine dauerhafte Durchfahrt ermöglichen – etwa für Anwohnerinnen und Anwohner oder für Ladeninhaberinnen und Ladeninhaber.
in wichtiger Schlüssel zur Akzeptanz ist eine offene und kontinuierliche Kommunikation. Schulstraßen und Schulzonen bieten viele Vorteile: Sie erhöhen die Sicherheit der Kinder, fördern ihre Selbstständigkeit, entlasten den Verkehr und unterstützen eine nachhaltige Mobilität. Damit diese positiven Effekte wahrgenommen werden, braucht es frühzeitige, transparente Informationen – insbesondere für direkt betroffene Akteure.
Entscheidend ist, den konkreten Nutzen vor Ort sichtbar zu machen: Was verbessert sich für die Schule, die Nachbarschaft und den Verkehrsfluss? Wer gut informiert ist, kann Veränderungen besser nachvollziehen und eher mittragen.
Ebenso wichtig ist die Beteiligung der Menschen, die den Schulweg täglich erleben – Kinder, Eltern, Lehrkräfte sowie Anwohnerinnen und Anwohner. Ihre Erfahrungen sind wertvoll für die Planung und stärken die Identifikation mit dem Projekt. Unterstützend wirken Vorher-Nachher-Visualisierungen. Zusätzlich steht der Leitfaden „Schulstraßen und Schulzonen in Baden-Württemberg erfolgreich umsetzen“ (Download-Bereich) mit hilfreichen Vorlagen zum Download bereit.
Interesse an der Umsetzung?
Unsere Servicestelle berät Schulen und Kommunen zur Umsetzung des Bausteins Schulstraßen im Rahmen von MOVERS – Aktiv zur Schule. Sie beantwortet offene Fragen und informiert über die nächsten Schritte.